Gelungene Premiere des „Laufs zur Schwanner Warte“  (Freitag, 7. auf Samstag, 8. Juli 2023)

Offenbar hatten viele mit den Hufen gescharrt und waren überglücklich, dass es nach 3 Jahren Zwangspause endlich wieder eine regionale Langstreckenwanderung über Nacht durch den Schwarzwald gab. Denn als der Schwarzwaldverein Straubenhardt nach langem Brüten im Frühjahr die Ausschreibung zum „Lauf zur Schwanner Warte“ veröffentlichte, meldeten sich umgehend etliche Stammteilnehmer der früheren „24-Stunden-Wanderung“ an, welche diese Premiere auf gar keinen Fall verpassen wollten! Neun Mal hatte der Verein, schon seit 2011 Vorreiter dieses Typs Langstreckenwanderung in Deutschland, seine Traditionsveranstaltung mit großem Erfolg durchgeführt und viele treue Fans gewonnen. Sie schwärmten von der tollen, kreativen Streckenführung durch den heimischen Schwarzwald, von kleinen und kleinsten Pfaden, dem Entdecken wunderbarer Aussichten, von der legendär leckeren Verpflegung, vom Erlebnis, im Glühwürmchengefunkel einer Stirnlampenprozession die Stille der Nacht zu durchwandern und in der Dämmerung dann in ein gewaltiges Vogelstimmenorchester einzutauchen, von generationsübergreifenden tiefen Gesprächen unter Mitwanderern – man hat ja viel Zeit miteinander -, vom Herantasten an die eigenen physischen und psychischen Grenzen, vom tiefen Glück des Zieleinlaufs an der Schwanner Warte und dem Stolz, trotz schmerzender Knie durchgehalten zu haben.

Anstelle einer zehnten Jubiläums-Wanderung entwickelte das rührige Team rund um Otto Brauns, den 2. Vorsitzenden des Vereins, nun ein von Grund auf neues Konzept. Beibehalten wurde das Angebot dreier unterschiedlich langer Strecken: einer „Genießer“-Strecke von rund 50 km, einer „sportlichen“ Strecke von 65 und einer „extremen“ Strecke von 80 km Länge. Jede dieser Strecken erhielt nun aber einen eigenen Startpunkt. Die Genießer-Strecke startete am Bahnhof Bad Teinach / Neubulach, die sportliche Strecke in Enzklösterle und die extreme Strecke in Klosterreichenbach im Murgtal. Zielpunkt aller Wanderungen blieb der Turm an der Schwanner Warte, Vereinszentrum des Schwarzwaldvereins, mit seinem herrlichen Blick übers Land. Für die 58 angetretenen Teilnehmer im Alter von 10 (!) bis Mitte 70 Jahren gab es insgesamt 6 Guides, so dass sich neben den Individualläufern nur sehr kleine Gruppen formierten, welche außerdem zeitversetzt zueinander starteten.

Als erstes brach am Freitagnachmittag gegen 16:30 Uhr – abgestimmt auf die Ankunft der Bahn in Klosterreichenbach – mit einem breiten Grinsen das Trüppchen der „extremen“ Wanderer rund um Guide Jochen Rüdel, „Gonzo“, auf.

Ein ausgeklügelter Logistikplan koordinierte die Versorgung der Wanderer auf allen drei Strecken durch zwei mobile Verpflegungsteams sowie das „Springerteam Otto“.

Grob alle 20 Kilometer erwartete die Sportler ein Büffet vom Feinsten mit belegten Weckle, frisch geschnittenen Obst- und Gemüsehäppchen, selbst gebackenem Kuchen, kalten Getränken, Energieriegeln und Schokolade – und nachts sogar mit heißer Nudelsuppe.

Die 80er Gruppe musste sich drauf einstellen, via Erzgrube, Altensteig, Zavelstein, Hirsau und Bad Liebenzell wie eh und je quasi bis zur Schwanner Warte durchzulaufen. Die „kürzeren“ Stecken hingegen legten einen Schlenker Richtung Monbachtal ein, wo sie am Jugendzeltplatz die Möglichkeit hatten, eine – je nach individueller Ankunftszeit mehr oder weniger lange – Schlafenspause einzulegen.

Das erste Stirnlampenpärchen funkelte dort gegen halb zwei nachts durch den Wald. Müde, aber vergnügt, schlürften die Wanderer eine Schüssel Suppe, verschlangen noch etwas saftig kühle Wassermelone und suchten sich ein Schlafensplätzchen auf dem weiträumigen Gelände. Das „Versorgungsteam 2“, hier unterstützt durch das „Team Kühlwagen“, hielt derweil die Stellung und verteidigte engagiert die ausgebreiteten Leckereien gegen einen vorwitzigen Siebenschläfer, der immer wieder auf seine eigene Art an der Veranstaltung teilzunehmen suchte.

Als die letzten 3 Wanderer gegen 6 Uhr an der Hütte eintrafen, war es längst hell, und die ersten hatten sich schon wieder aufgemacht Richtung Schwimmbad Bad Liebenzell. Dort durften sie dieses Jahr mangels eines frühmorgendlichen Bademeisters leider nicht im Schwimmbecken die müden Geister und schweren Beine erquicken, aber die Duschen konnten genutzt werden. Auch ein örtlicher Wolkenbruch, der sich plötzlich über der Region formierte und sich dann erstaunlich stationär immerhin fast eine Stunde lang hielt, sorgte für ungeplante Abkühlung und die nötige Frische.

Die Damen der Schwimmbad-Gastronomie zauberten mit frischen Brötchen, Müsli, Kaffee und massenhaft leckerem Rührei neue Kräfte für die verbleibenden schweißtreibenden 21 Kilometer und 3 Anstiege hinauf nach Bieselsberg, Schömberg und schließlich noch auf die Schwanner Warte herbei, und so stand einem überwiegend doch recht unrunden Einlauf an der Schwanner Warte zur Maultaschenschlemmerei nur noch der eigene innere Schweinehund im Wege.

Abenteurer, Extremläufer und Vortragsredner Norman Bücher aus Waldbronn, der sich „für die gemütlichen 65 km entschieden“ hatte, meldete tags drauf dem Orgateam zurück:

„Was für eine tolle Veranstaltung! Nochmals vielen herzlichen Dank an das gesamte Orga-Team für unvergessliche Wander-Stunden! Danke. Ich freue mich schon auf 2024!“